Die Lesebühne im Künstlertreff hat aus verschiedenen Gründen nach zwei guten Jahren "ausgedient".

Seit März 2006 gibt es (in Zusammenarbeit mit dem Literaturhaus Rostock) in der Jazzbühne Rostock eine neue Veranstaltungsreihe: JAZZPERANTO.

AutorInnen aus Rostock und Umgebung experimentieren mit dem Jazz-Pianisten Rainer Kählig auf der Bühne, suchen nach Berührungs- und Kontrapunkten zwischen Literatur und Musik, erzeugen ganz neue Wirkungen.

Sie sind herzlich eingeladen, in der wunderbaren Atmossphäre der Jazzbühne diese ganz besonderen Abende zu erleben.

Wer sich vorstellen kann, mit Lyrik oder Prosa selbst auf der Bühne zu stehen, kann sich mit einer Auswahl geeigneter Texte bewerben: Literaturhaus Rostock

Noch lieferbar ist ist die Anthologie "Rostocker Auslese" mit den 2004 auf der Lesebühne gelesenen Texten. Sie kann direkt beim Verlag bestellt werden: BS-Verlag-Rostock

 

 

 

Termine

Lesezeit & Ort

JAZZPERANTO findet alle zwei Monate, jeweils am zweiten Freitag des Monats ab 21.00 Uhr statt:
In der Jazzbühne Rostock, Doberaner Straße 6
Eintritt: 5,00 Euro
Reservierungen in der Jazzbühne unter Tel.: 03 81 / 496 56 33

Nächster Termin: 14. Juli 2006
21.00 Uhr

Weitere Termine für 2006

08. September
10. November

 

 

 

Idee

Wie ist JAZZPERANTO entstanden?

Im Februar 2002 entführte mich mein Vater zum Berliner Kantinenlesen. Was für ein wunderbarer Abend. Ein Glas Rotwein, eine Gauloises, ein perfekter Begleiter. Und dann liest einem jemand etwas vor. Wenn wir als Kinder das Glück haben, dass unsere Eltern eine Gute-Nacht-Geschichte lesen und das Lesen unter der Bettdecke streng verbieten, werden wir vielleicht zu Leseratten. Aber wann darf man später einfach zuhören? Sich von einer spannenden Geschichte gefangen nehmen lassen? Sich in Lyrik verlieren?
Für einen solch glücklichen Abend konnte ich unmöglich jedes Mal nach Berlin fahren - also wollte ich so etwas wie das Kantinenlesen in Rostock haben.
Zwei kleine Jungs und tausend andere wichtige Dinge haben die Umsetzung dieser Idee noch eine Weile verzögert - ab Januar 2004 konnten wir dann auf der Lesebühne im Künstlertreff "Szenario" Monat für Monat einer Menge spannender, verrückter, komischer, nerviger, aufrüttelnder ... Texte lauschen.
Als ich dann (gemeinsam mit dem Literaturhaus Rostock) auf der Suche nach einem neuen Konzept und Veranstaltungsort war, kam die Idee von Christiane Martens, Inhaberin der Jazzbühne Rostock, genau richtig: Sie wollte ein Podium für Musik und Literatur bieten. Seit März 2006 stehen alle zwei Monate nach aufregenden und aufreibenden Proben drei oder vier AutorInnen gemeinsam mit dem Jazzperanto-Pianisten Rainer Kählig auf der Bühne.
Namensgeber der Veranstaltungsreihe ist Marcel Hintze.

 

 

 

Kontakt

Wie können Sie sich anmelden?

Möchten Sie sich anmelden oder weitere Informationen zu JAZZPERANTO einholen?
Dann kontaktieren Sie bitte die Veranstalterin:

Johanna Michallik

Augustenstraße 34
Tel.: 03 81 / 364 47 29
Mob.: 01 51 / 12 77 18 86
LesebuehneHRO@gmx.de

Profil

oder das Literaturhaus Rostock: Literaturhaus Rostock

 

 

 

 

Texte

Leseproben

Die Wirkung eines JAZZPERANTO-Abends lässt sich nicht in Worte fassen, dennoch besteht hier die Möglichkeit, einige Texte zu lesen.

Kurt Scharf - Im Käfernebel

Carsten Schmidt - Einstein als Mönch

Matthias Spehr - Hättich

Kirsten Samland - Barbie ist Schwanger

Philipp Bobrowski - Ein kleiner Kobold

Frauke Kieffer - Ernte

Silke Hameister - Streicheleinheiten mit Ole

 

 

 

Krull

Kurt Scharf - Im Käfernebel

"Im Käfernebel", sagt das Mädchen, "stirbt ein Stern."
"Wir können uns", sage ich, "darum nicht kümmern, hier im Hafenbereich sind genügend Ruinen, denen zu dienen …"
"Ich", unterbricht mich das Mädchen, "habe die Schlüssel …"
"Wer", sage ich, "sollte sie verwalten, die knasterbartalten verlassenen Häuser …"
"Ab heute du", entgegnet das Mädchen, schon unterwegs zum sterbenden Stern.
Am Abend rede ich zu den ausgehängten Türen, vertraue mich der schiefen Regenrinne an, flüstre mit den müden Fenstern. "Wisst ihr …", sage ich.
"… dass du das Mädchen liebst", sagen die Steine.

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Krull

Carsten Schmidt - Einstein als Mönch oder Albert als Abt (aus dem Abc-darium)

Albert aß allabendlich,
artig als auch ausgiebig, Abendbrot,
also auch an Allerheiligen,
aber aus angegebenem Anlass
anstatt Allerweltsessen argentinischen Aal,
als ausgerechtet Aushilfsmönch August,
augenscheinlich angetrunken,
auftauchte, Albert ansteuernd:
"Anruf! Adele am Apparat, Albert!"
Austauschnonne Adele aus Augsburg.
"Aha", antwortete Abt Albert, allerdings absolut ahnungslos.
"Angenehmen Abend, Adele, alles andächtig?" -
Adele aber aufgeregt:
"Alles absolut anders, Albert!
Alles ausgeartet, alles Affairenhafte aufgeflogen!" -
"Auweia" antwortete Albert außergewöhnlich angstvoll.
Alberts Aufenthaltsbehörde aus Augsburg
ahndete absolut alle auch anfänglichen Affärenversuche
an Austauschnonnen als antiklerikalen Angriff
auf alles Allerheiligste,
also als abscheuliche Atheistensünde.
Anstatt ausgesöhnt, also aber auch alles ausgeschlossen,
auch Albert aus allen Abteien Augsburgs.
Adeles abschließende Aussage am Abteiapparat:
"Alles aus, Albert; ade Affäre, ade Albert!"
Albert abstrus als auch aufgeregt am anderen Apparat:
"Aber anbetungswürdige Adele,
abends am Ausblick, abgemacht?
Adele? - Ach, aufgelegt!"

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Spehr

Matthias Spehr - Hättich

hättich
(adlerflug wäre mein krebsgang hätt ich die schwingen des pinguins)

hätt ich die antenne der fledermaus
frühmorgens um halb drei
ich käm im dunkel heil durchs haus
und bräche nichts entzwei

hätt ich der schnecke leichtes haus
und ihren feinen schleim
ich glitte in die welt hinaus
wär überall daheim


hätt ich die kraft vom zitteraal
mit widerstand in ohm
hielt ich die spannung hier im saal
wär ständig unter strom

und hätt ich vom chamäleon
das wandelungsgeschick
ich ging in die koalition
und machte politik


hätt ich die schnalle vom gürteltier
vom pinguin den frack
den leichten gang vom trampeltier
den charme von donald duck

hätt ich des falken adlerblick
und der gazelle lauf
ich wär humaner noch ein stück
und tierisch besser drauf

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Samland

Kirsten Samland - Barbie ist Schwanger

Papa, Barbie ist schwanger.
Wer war das? Den zeig ich an, den Kinderschänder!
Wieso denn? Barbie ist doch schon über 40.
Na, dann wird's ja auch Zeit.
Warum?
Wer nimmt denn noch so ´ne alte Schachtel?!
Aber Mama ist doch genauso alt!
Das ist doch was anderes!
Warum?
Darum. Frag' nicht so dumm!

Onkel, Barbie ist schwanger.
Aha. Geht die in deine Klasse?
Nee - die hab ich doch zu Hause.
Was sagt denn dein Vater dazu?
Daß es auch Zeit wird, wo sie doch schon so alt ist.
Na, der muß es ja wissen, ha ha!
Warum?
Darum. Frag' nicht so dumm!

Opa, Barbie ist schwanger.
Ja ja, die Jugend von heute ...
Aber Barbie ist schon über 40. Papa sagt, dann wirds auch Zeit.
Hat die denn einen Mann?
Ja, klar! Das ist Ken, Cabrio-Ken.
Und? Lebt der in geordneten Verhältnissen?
Oh ja, ganz ordentlich. ICH sorge für die beiden.
Das geht nicht! Was sind das für Zustände?!
Wieso geht das nicht? Ich gebe mir doch große Mühe ...
Die Familie zu ernähren ist Männersache!
Warum?
Darum. Frag' nicht so dumm!

Mama, Barbie ist schwanger.
Auch das noch!! Welcher Monat?
Weiß ich nicht.
Zeig mal her. Aha, zu spät für ...
Für was?
Nichts. Das wird bestimmt ein Junge; bei dem Bauch.
Ist das gut oder schlecht?
Jungs sind immer gut.
Warum?
...

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Bobrowski

Phillip Bobrowski - Ein kleiner Kobold

Als ich vor wenigen Tagen eine Lesung in einem gemütlichen Cafe besuchte, traf ich neben einigen Bekannten und vielen mehr oder weniger Gleichgesinnten auch auf eine Art kleinen Kobold. Hoch und aufrecht stand er da, der kleine Mann. Er war von schlanker Gestalt, die noch schlanker wirkte, da sie auf Arme und Beine, ja auf sämtliche Gliedmaßen verzichtete. Eine Bewegung war dem seltsamen Wesen daher nur möglich, indem es entweder auf seinem Rumpf langsam oder auch schnell von links nach rechts und umgekehrt pendelte - in dieser Bewegung traf ich ihn an - oder aber ein bis zwei seiner beiden faltigen Gelenke beugte und sich so nach hinten krümmte. Die Richtung dieser möglichen Verbeugung, die der eitle Kobold aber tunlichst unterließ, machte es schwer zu entscheiden, ob er sich eben einfach so weit nach hinten beugen konnte oder ob er einem doch den Rücken zukehrte, was bedeuten musste, dass sein Gesicht am Hinterkopf angebracht war. Dieses ausdruckslose Gesicht war kaum als solches zu bezeichnen, denn anders als die meisten mir bekannten Gesichter verfügte es, platziert auf dem haar- und halslosen Schädel, weder über Augen noch über Nase oder Mund. Man hätte behaupten können, die flache Stirn ginge direkt in das Kinn über, wäre ein solches auszumachen gewesen. Dabei waren diese äußerst schwach ausgeprägten Gesichtszüge das einzig Harte am Kopf des kleinen Kerls - für den ansonsten durchaus die Bezeichnung Weichbirne angebracht schien - denn sie wurden von einer Art natürlichem Helmvisier - freilich ohne Helm - aus durchsichtigem Horn bedeckt. So merkwürdig sein Äußeres auch erschien, ich war nicht das erste Mal auf einen Vertreter seiner Spezies getroffen. Es gibt sogar, wie ich aus eigener Erfahrung weiß, wie ich es mir aber auch schon häufig berichten lassen durfte, recht viele seiner Art. Natürlich treten sie nur selten in solch unverhüllter Form auf. Und gerade zu diesem Anlass empfand ich sein offenes Auftreten als äußerst ungewöhnlich und ebenso unangenehm wie unpassend. Er stieg nämlich unumwunden und sogleich die Stimme erhebend vor dem versammelten Publikum auf die Lesebühne. Da er nicht persönlich angekündigt war und sich auch nicht selbst vorstellte, sondern nur den, in dessen Namen er sprach, fragte ich eine Nachbarin im Publikum, ob sie den kleinen Frechdachs näher kenne. Sie verriet mir, sein Name laute Digitus de Monstrare und ich solle nun lieber aufmerksam zuhören, denn von ihm könne man so einiges lernen. Tatsächlich hing die ehrbare Dame sogleich wieder an Monstrares nicht vorhandenen Lippen und folgte gebannt seiner Rede und den heftigen Seitwärtsbewegungen seines pendelnden Rumpfes. Die überaus laute Stimme, die unmissverständlich von den Zusammenhängen der Welt sprach, begleitet von diesem hypnotischen Pendeln, hätte vermutlich auch mich schnell in ihren Bann geschlagen, wäre ich nicht mit ganz anderen Erwartungen gekommen. Die Hoffnung auf den Zauber der Literatur hatte mich hierher gezogen. Märchen und Geschichten sollten mich entführen, Gedichten wollte ich lauschen, weinen und lachen, nachdenken und erfahren wollte ich. Doch was Digitus mir als solches zu verkaufen wünschte, hatte es dem Redner gleichgetan und sein literarisches Gewand abgelegt, um besserzuwissen und zu belehren, drohend fast, Moral zu gebieten mit eindringlichen Worten. Laut war die Stimme. Sie schrie, als wollte sie mit jedem Satz sagen, sie verkünde Erkenntnisse, die neu und zugleich universal seien, weltverstehend und weltbewegend. Doch mich vermochte des Kobolds Hexerei nicht zu treffen, denn ich fühlte mich nur in einer gar nicht neuen Erkenntnis bestätigt. Der kleine Kobold, der mir zu Diensten ist, soll, bis auf dieses eine Mal, lieber im Verborgenen arbeiten und sich nicht aller Welt präsentieren. Vor allem nicht in meinen Geschichten und Gedichten.

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Kiefer

Frauke Kieffer - Ernte

"Ich geh dann mal los."
Herbert zwängte sich in die alte blaue Jacke, setzte die Mütze auf, ohne die er nie einen Schritt aus dem Haus tat, holte die Sense aus dem Schuppen und machte sich auf den Weg. Seit Jahren schon hatte Klaus die Arbeit auf den Feldern übernommen. Herbert sah ja auch ein, mit einem Mähdrescher ging alles schön schnell und war auch nicht mehr so schwer und überhaupt, ja, das war schon in Ordnung. Aber hier, so rund um den Hof, am Feldrand, da musste er noch ran. Mit der Hand. Mit der Sense. Und wenn Emmi ihre Serie da guckte, verzog er sich sowieso lieber.
Herbert schlenderte los, blieb dann stehen, stützte sich auf die Sense, guckte noch ein wenig zum Wald hinüber, doch dann ging es los mit der Arbeit. Mit Schwung kam Herbert gut voran. Es war ganz still, nur das Pfeifen der Sense durch die Luft und das Brechen der Halme waren zu hören.
Da, plötzlich, ein Knacken!
Herbert, eben noch in Gedanken über einen Kaninchenkauf, fuhr herum, die Sense, fest in der Hand, genau in der Höhe des Knackgeräuschverursacherhalses, nicht mehr bremsen könnend.
Der Kopf flog meterweit, drehte sich wie ein Brummkreisel ohne Brummen mehrmals um sich selbst, als wolle er sich noch ein letztes Mal so richtig umgucken und plumpste dann ins Feld. Der Rest des Körpers lag vor Herbert.
Der stand wie gelähmt. Seine Augen wurden immer größer, die Kinnlade fiel schließlich herunter, mühsam versuchte er zu schlucken. Er wischte sich mit dem Jackenärmel den Schweiß von der Stirn, atmete angestrengt und versuchte, sich zu beruhigen. Er war ein Mörder! Aber es war ein Versehen! Oder Notwehr ja auch irgendwie. Dieses Geräusch!
Nur ? was jetzt? Was tun, verdammt noch mal? Er musste Klaus holen! Herbert wetzte los.
Nach ein paar Minuten war er auf dem Weg zurück zum Tatort, hastig tippelnd, Klaus mit weit ausholenden Schritten hinterher.
"Oh Vadder, das is 'n Schnitt! Besser konnten die das bei den Franzosen auch nicht!"
"Ja, ja, aber was machen wir mit dem? Von hier ist das keiner. Und den Kopf müssen wir auch noch finden. Irgendwo da", Herbert ruderte mit den Armen, "ist er runter gekommen."
"Ja, nu warte mal. Wir müssen auf jeden Fall die Polizei informieren."
"Das machst du nicht! Du weißt genau, wer da kommt! Der Dieter hat mich sowieso unter Wind wegen der Sache mit dem Trecker! Den holst du nicht! Ich mäh dich auch um! So ein Mist! Was wollte der Kerl auch hier? Wie der schon aussieht, dieser Rest da! Tätowiert! Ich will hier keine Polizei'! Ich will nicht eingesperrt werden! Der war auf meinem Grund und Boden!" Herbert jammerte und tobte und hopste, soweit ihm das möglich war, wie Rumpelstilzchen von einem Bein aufs andere.
"Nu bleib doch mal ruhig! Vorher überlegen wir genau, was los war." "Das hab ich dir doch gesagt!" quiekte Herbert. "Bist du taub? Der war hinter m..."
"Vadder, als du an diesem schönen ruhigen Abend hier ankamst, da lag der schon da." "Ach?"
"Ja, er lag da. Von Hals bis Fuß. Kein Kopf weit und breit. Und du, als ehrenwerter Bürger, hast natürlich sofort den Dieter angerufen."
"Aber die Sense! Die sind doch so gerissen, die sehen doch die Fingerabdrücke! Und da kannst du wischen, wie du willst, von dem Holz kriegst du das nicht runter!"
Herbert hatte nicht umsonst zahlreiche Krimis im Fernsehen angesehen. "Es war keine Sense da." "Ach nein, und wie, glaubst du wohl, ging der Kopp ab? Fiel so runter oder was?"
"Das kann dir doch egal sein. Du kamst hier an. Da lag einer. Kopf ab. Wiederbelebung unmöglich. Kein Tatwerkzeug. Du hattest einen Schock und bist gleich losgelaufen, um Dieter zu rufen."
"Ja. ? Aber die Sense. Und was wollte ich hier überhaupt?"
"Du wolltest hier sensen. Und zwar mit deiner Sense. Das machst du doch jeden Abend, wenn Mudder den Schwachsinn da guckt. Deswegen lässt du das Ding immer da liegen, wo du gerade Schluss machst den Abend. Das wäre doch Blödsinn, das Ding immer hin und her zu schleppen. Oder was? Und jetzt ist sie weg."
"Die ist hier. Die liegt doch hier."
"Nicht mehr, wenn Dieter kommt. Wir schmeißen sie in den alten Brunnen, von dem weiß keiner. Das erkennt keiner, dass da überhaupt einer ist."
"Wollen wir den hier nicht auch gleich hinterher schmeißen?" fragte Herbert kläglich.
"Nee, lieber nich. Der blutet doch, und dieser ganze Schweinkram, wenn wir den da hin schaffen... nee, lass das man den Dieter alles machen. Ab jetzt mit der Sense in den Brunnen, und dann rufst du ihn an!"Die Sense war im Brunnen versenkt, beide Männer marschierten auf dem Weg zum Haus, als sie zurückprallten ? an der Straße stand ein Polizeiwagen.
"Klaus!" kreischte flüsternd Herbert. "Was mach ich jetzt? Die sind schon da! Die wollen mich abholen! Und das ist nicht Dieter! Das sind Fremde! Fremde Kommissare!"
Klaus legte seinen Vater die Hände auf die Schultern und gab nach diesem neuesten Stand der Dinge aktuelle Instruktionen: "Genauso musst du das machen. Du hast gerade den Mann ohne Kopp gefunden, bist in Panik, willst zum Telefon, nachdem du mich informiert hast, da kommen die dir gerade recht, denn zum Glück steht der Kommissar vor der Tür, gerade, wenn man ihn braucht. Wie im Film!"
Herbert brauchte jetzt aber eigentlich keine großen Regieanweisungen, wichtig war nur, dass er textsicher war.
"Herr Komm... Kommissar! Er steuerte auf einen der beiden zu. "Was für ein Glück, dass Sie gerade jetzt hier an meinem Gehöft vorbei kommen! Wir haben hier draußen einen Toten ohne Kopf! Gerade wollte ich telefonieren, und da stehen Sie schon hier vor mir!"Herbert stolperte, mit dem Finger den Weg voraus zeigend, vorneweg, der Kommissar samt Kollegen beeilte sich zu folgen, und als letzter stapfte Klaus hinterher.
"Bitte. Da liegt er. Kopf ab!"
Der Kommissar ? nebenbei gesagt, der Polizeibeamte im Streifendienst Wachtmeister Matthies ? hatte in seinem Berufsleben schon einiges gesehen und brauchte nur ein paar Mal tief durchzuatmen. Sein Kollege allerdings übergab sich sofort und zwar gleich mehrmals.
Herbert gab seine eindrucksvolle Schilderung zum Besten, die nur gelegentlich holperte, nämlich dann, wenn er versucht war, von der Sense zu sprechen. Der "Kommissar" hörte zu, nickte hin und wieder und gab ein "Hmm" von sich. Er forderte über Handy Verstärkung zur Spurensicherung an, machte sich aber mit seinem Kollegen, der langsam wieder ansprechbar war, auf die Suche nach dem Kopf.
"Na, was sagst du? Damit dürfte unsere Suche wohl beendet sein." "Seh ich genauso. Das ist eindeutig Paul Stöver."
"Hallo, Herr... äh..." "Hollerbock, Herbert Hollerbock."
"Da haben Sie aber eine interessante Sorte Getreide vor der Tür. Das ist der ausgebrochene Strafgefangene, wegen Mordes inhaftiert, der seit heute Mittag gesucht wird. Er hat einem Wärter die Pistole abgenommen und ist geflohen."
Das Geräusch! Es war das Laden einer Pistole gewesen! Dann musste die hier auch noch irgendwo sein!
"Ein Mörder! Auf meinem Feld! Ich habe einen Mörder erwi... erfunden, gefunden! Nein!" "Ja, ja, aber jemand muss auch ihn ermordet haben."
"Ja, da sagen Sie was. Da muss ja hier einer mit der Sen... einer scharfen, einem scharfen... tja... also... etwas scharfem herumlaufen, was, Herr Kommissar?"
"Hm, Sense. Haben Sie eine?"
"Nein. ? Die war hier, ist jetzt aber weg. Ich wollte ja... äh... sensen. Aber der Tote war da, und die Sense war weg. Nicht, Klaus?"
Klaus wählte seine Worte jetzt sehr sorgfältig. "Herr Kommissar, Sie sagen, das war ein Mörder, noch dazu ein ausgebrochener. Wenn den jetzt jemand, aus Versehen, so was gibt's ja, auslöscht ? ist das dann sehr strafbar?"
Der "Kommissar" schaute prüfend von einem zum anderen, dachte an den furchtbaren Mord, den der jetzt Enthauptete begangen hatte, sah den nervösen Herbert aufmunternd an und sagte:" Sagen wir mal so: Wenn jemand, zum Beispiel in Notwehr, hier zum Sensenmann geworden ist, glaube ich kaum, dass ihn der Richter verurteilen wird."
Herbert, der sich inzwischen ein ganz klein wenig als ein Held fühlte, atmete erleichtert auf und raunte Klaus zu: "Denn sieh mal zu, dass du die Sense wieder aus dem Brunnen kriegst! Ich kauf mir wegen dem doch keine neue!""Ein Quatsch ist das manchmal ? mit der Sense den Kopf ab ? und denn auch noch den von einem Mörder ? meine Güte!"
Emmi zappte auf "Kein schöner Land".

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Kiefer

Silke Hameister - Streicheleinheiten mit "Ole"

Stine stand vor dem Ladentisch. Ein wenig mulmig war ihr schon zumute. Immerhin war sie noch nie zuvor in einem solchen Geschäft gewesen.
"Ein wirklich erstklassiges Modell haben Sie sich da ausgesucht", meinte die Verkäuferin anerkennend, "das habe ich auch."
Stine starrte sie ungläubig an. Ob das ihr Standardsatz war, egal was jemand kaufte? Das blutjunge Ding sah nicht aus, als wenn sie es nötig hätte. Ehrlich gesagt tat Stine das auch nicht. Ihr Problem war lediglich, dass ihr Mann als Pharmazievertreter viel zu oft unterwegs war. Manchmal kam er nur alle 14 Tage nach Hause. Da musste sie sich eben etwas einfallen lassen.
Es immer nur selbst zu tun, war auf Dauer gesehen nicht wirklich befriedigend. Wie sollte sie sich auch entspannen und genießen, wenn sie sich gleichzeitig verrenken musste, um richtig anzukommen?
"Das ist das Modell Ole", hatte die Verkäuferin gesagt, "Das liegt gut in der Hand!"
Warum die den Dingern Namen gaben, war Stine unklar. Vielleicht, damit man sie im Ernstfalle anzusprechen weiß, hatte sie gemutmaßt. Aber die Verkäuferin wusste es besser: "Es ist so", hatte sie ihr anvertraut, "dass man mit der Zeit eine Art Beziehung zu ihnen auf baut!"
Nun, dann war "Ole" eben jetzt Stines neue Beziehung. Der einzige Ole, den sie bisher kannte, war Björn-Ole Peddingdal. Sie war einmal glatte drei Monate mit ihm leiert gewesen.
Stine schaute auf den Stab.
Er war weiß, lang und mit einem Knick im vorderen Schaft-Drittel. - Nun, es wäre nicht ganz abwegig, dass Björn-Ole hierfür Modell gestanden haben könnte. Eine gewisse Grundähnlichkeit war nicht von der Hand zu weisen. Vielleicht hatte Stine unbewusst, der alten Erinnerungen wegen, automatisch zu "Ole" gegriffen. Genauso gut hätte sie auch das Modell "Abadi" von Mombasa-Plastics nehmen können. Der hatte recht viele Spezialfunktionen und war in Länge und Breite variabel ausfahrbar. Aber nach reiflicher Überlegung hatte sie ihn doch wieder zurückgelegt. Als Frau musste man praktisch denken. Immerhin kannte Stine sich selbst und wusste, wie gern und vor allem wie schnell sie danach einschlafen würde. Wenn sie erst am nächsten Morgen das Gerät reinigte, könnte das vergleichsweise lange dauern. Bei schwarzen sah man die Flecken einfach viel zu deutlich. Damit hatte sie Erfahrung! Im Endeffekt kam es auf die Farbe auch gar nicht an, sondern auf die Wirkung!
Stine zog mit "Ole" im Karton ins Schlafzimmer und drehte die Heizung voll auf. Schön warm sollte es sein, wenn sie ihn zum ersten Testlauf einsetzen würde.
Eigentlich war Stine es gewohnt, dazu in die Badewanne zu gehen. Das heiße Wasser war zusätzlich entspannend und ihre Finger glitten fast von allein dorthin, wo sie sie hinhaben wollte, aber die Verkäuferin hatte eindringlich gewarnt, dass dieses Modell nicht für Tauchgänge geeignet wäre. - Wie denn auch? Dann hätte es nicht "Ole", sondern eher "Neptun" geheißen.
Apropos Neptun - "Ole" hatte zwar keinen Dreizack, aber dafür fünf verschiedene Kopfaufsätze inklusive.
Je nach Bedürfnis konnte man zwischen Noppen-, Vakuum-, Dual-, Bürsten- und Punktaufsatz wählen. Stine zog das Tütchen aus der Packung: "Safety first!"
Ja, das war richtig!
Sie hatte sich schon ausgezogen, beschloss aber, doch besser erst die Bedienungsanleitung zu lesen:
"Sehr geehrte Damen und Herren", stand dort, "Wir möchten, dass Sie Ihren neuen Freund "Ole" so schnell wie möglich kennen lernen.
Schalten Sie das Gerät mit den vier Positionsschaltern auf die gewünschten Funktionen:
1.)Vibration und Wärme, 2.) Vibration mit Spezialaufsatz, 3.) nur Wärme, 4.)Kopfrotation.
ACHTUNG!
Zur Vermeidung von Erstickungsgefahr sollten Sie "Ole" keinesfalls in den Mund einführen!
Bitte beachten Sie:
Das Gerät ist nicht für den Dauereinsatz konzipiert. Damit Sie recht lange Spaß mit ihrem "Ole" haben, sollten Sie ihn niemals mehr als 20 Minuten beanspruchen!
Wir wünschen viel Vergnügen!"
Stine legte den Zettel beiseite, griff in den Karton und zog "Ole" heraus.
Mit den 20 Minuten würde sie schon klar kommen, wenn er nur nicht mittendrin stecken blieb.
Sie wog den Stab in der Hand. "Ole" hatte gut und gern seine 500 Gramm. Das sollte man nicht unterschätzen. Nicht, dass am Ende ein Muskelkater das Einzige wäre, was sie von ihm bekäme.
Die Verkäuferin sagte: "Man wird regelrecht süchtig nach diesen Dingern!" Sie selbst würde den Stab sogar ihrem Freund vorziehen. Speziell der punktuelle Aufsatz sei wärmstens zu empfehlen. Er führe sehr rasch zu dem erhofften Erfolg, sofern man über anatomische Kenntnisse verfüge.
Stines Mann hatte diese auch, aber der war ja nie zu Hause. Sie würde sich einfach langsam vortasten müssen, um die richtige Stelle zu finden.
Es war gut, dass "Ole" so lang war. Da hatte jemand mitgedacht. Sicherlich hätte es ein Kürzerer auch getan, aber so brauchte sie sich nicht zu verrenken, konnte sich zurücklegen, genießen und "Ole" machen lassen.
Stine legte sich aufs Bett und betätigte den EIN-Schalter am Schaftende.
"Ole" begann sofort tief zu brummen.
Sie hatte sich für die Funktion "Vibration und Wärme" entschieden. "Oles" Kopf bekam eine angenehme Temperatur und leuchtete im Dunkeln.
Wie sanft er über die Haut glitt. Die Vibrationen allein ließen eine ganze Gänsearmee über ihren Körper schreiten. Dabei war sie noch gar nicht richtig angefangen.
Ja, "Ole" war wirklich purer Luxus!
Stine musste ihn nachher gut verstecken, damit ihr Mann ihn nicht entdeckte.
Er käme sich sicherlich überflüssig vor, wenn er merkte, dass "Ole" jetzt das tat, was er sonst machte, wenn er da war. Vielleicht würde er auch wütend werden, weil sie ihm nichts gesagt hatte.
Stine konnte ihn ja verstehen.
Er, als Pharmazievertreter, hatte ihr schon zu Weihnachten hoch und heilig versprochen, dass er es ihr besorgen würde -
das Hand-Massagegerät gegen ihre verspannte Nackenmuskulatur.

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Johanna Michallik

In der ersten Klasse hatte ich Mühe, lesen zu lernen. Seitdem ich es endlich begriffen hatte, bin ich eine Leseratte. Ein Leben ohne Bücher kann ich mir nicht vorstellen. Uta Glaubitz' Buch "Jobs für Bücherwürmer und Leseratten" hat mich davon überzeugt, dass man nur die Arbeit gut machen kann, die man mit Leidenschaft tut. Seit Januar 2004 arbeite ich als Freie Lektorin in Rostock. Davor habe ich Germanistik, Geschichte und ein bisschen Latein studiert. Bei dem Versuch, Kindern, Jugendlichen und angehenden Polizeibeamten beizubringen, was ich selbst gelernt hatte, gingen mir Erich Kästners Worte nicht mehr aus dem Kopf: "Die älteren Professoren, die als Beobachter dabeisaßen, merkten nichts von meinem Irrtum und nichts davon, dass ich ihn endlich begriff und daß mir fast das Herz stehenblieb. Ich war kein Lehrer, sondern ein Lerner. Ich wollte lernen und nicht lehren. Ich wollte Lehrer werden, um möglichst lange Schüler bleiben zu können. Ich wollte Neues, immer wieder Neues aufnehmen und um keinen Preis Altes, immer wieder Altes weitergeben." Erich Kästner wurde Schriftsteller - ich bleibe (zunächst?) eine Leserin und wünsche mir viele Manuskripte, aus denen ich Neues über mich und die Welt lernen kann.

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www.jazzbuehne-rostock.de

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Der Verlag, bei dem ich alles lernte, was ich über das Büchermachen weiß:

www.bs-verlag-rostock.de

Die Frau, die dazu beitrug, dass ich das nötige Selbstbewusstsein und die innere Stärke in mir fand, freiberuflich zu arbeiten:

www.selbstbewusstsein-und-kompetenz.de

Eine schöne Idee: Geschichten mit der Post verschenken

www.lesekarte.de

Noch eine schöne Idee: Literatur zum Hören

www.hoerpost.de

Für Freunde fantastischer Literatur

www.geschichtenweber.de

 

 

 

 

Impressum

IGestaltung und Umsetzung dieser Homepage durch:

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annette.knauf@gmx.de

Stand: 27.06.2006