Die Lesebühne im Künstlertreff hat aus verschiedenen Gründen nach zwei guten Jahren "ausgedient".
Seit März 2006 gibt es (in Zusammenarbeit mit dem Literaturhaus Rostock) in der Jazzbühne Rostock eine neue Veranstaltungsreihe: JAZZPERANTO.
AutorInnen aus Rostock und Umgebung experimentieren mit dem Jazz-Pianisten Rainer Kählig auf der Bühne, suchen nach Berührungs- und Kontrapunkten zwischen Literatur und Musik, erzeugen ganz neue Wirkungen.
Sie sind herzlich eingeladen, in der wunderbaren Atmossphäre der Jazzbühne diese ganz besonderen Abende zu erleben.
Wer sich vorstellen kann, mit Lyrik oder Prosa selbst auf der Bühne zu stehen, kann sich mit einer Auswahl geeigneter Texte bewerben: Literaturhaus Rostock
Noch lieferbar ist ist die Anthologie "Rostocker Auslese" mit den 2004 auf der Lesebühne gelesenen Texten. Sie kann direkt beim Verlag bestellt werden: BS-Verlag-Rostock
Lesezeit & Ort
JAZZPERANTO
findet alle zwei Monate, jeweils am zweiten Freitag des Monats ab 21.00 Uhr statt:
In der Jazzbühne Rostock, Doberaner Straße 6
Eintritt: 5,00 Euro
Reservierungen in der Jazzbühne unter Tel.: 03 81 / 496 56 33
Nächster Termin: 14. Juli 2006
21.00 Uhr
Weitere Termine für 2006
08. September ![]()
10. November ![]()
Wie ist JAZZPERANTO entstanden?
Im
Februar 2002 entführte mich mein Vater zum Berliner Kantinenlesen. Was
für ein wunderbarer Abend. Ein Glas Rotwein, eine Gauloises, ein perfekter
Begleiter. Und dann liest einem jemand etwas vor. Wenn wir als Kinder das Glück
haben, dass unsere Eltern eine Gute-Nacht-Geschichte lesen und das Lesen unter
der Bettdecke streng verbieten, werden wir vielleicht zu Leseratten. Aber wann
darf man später einfach zuhören? Sich von einer spannenden Geschichte
gefangen nehmen lassen? Sich in Lyrik verlieren?
Für einen solch glücklichen Abend konnte ich unmöglich jedes
Mal nach Berlin fahren - also wollte ich so etwas wie das Kantinenlesen in Rostock
haben.
Zwei kleine Jungs und tausend andere wichtige Dinge haben die Umsetzung dieser
Idee noch eine Weile verzögert - ab Januar 2004 konnten wir dann auf der
Lesebühne im Künstlertreff "Szenario" Monat für Monat einer Menge
spannender, verrückter, komischer, nerviger, aufrüttelnder ...
Texte lauschen.
Als ich dann (gemeinsam mit dem Literaturhaus Rostock) auf der Suche nach einem neuen
Konzept und Veranstaltungsort war, kam die Idee von Christiane Martens, Inhaberin der
Jazzbühne Rostock, genau richtig: Sie wollte ein Podium für Musik und Literatur bieten.
Seit März 2006 stehen alle zwei Monate nach aufregenden und aufreibenden Proben drei oder
vier AutorInnen gemeinsam mit dem Jazzperanto-Pianisten Rainer Kählig auf der Bühne.
Namensgeber der Veranstaltungsreihe ist Marcel Hintze.
Wie können Sie sich anmelden?
Möchten
Sie sich anmelden oder weitere Informationen zu JAZZPERANTO einholen?
Dann kontaktieren Sie bitte die Veranstalterin:
Johanna Michallik
Augustenstraße
34
Tel.: 03 81 / 364 47 29
Mob.: 01 51 / 12 77 18 86
LesebuehneHRO@gmx.de
oder das Literaturhaus Rostock:
Literaturhaus Rostock Leseproben Die
Wirkung eines JAZZPERANTO-Abends lässt sich nicht in Worte fassen, dennoch besteht hier die Möglichkeit,
einige Texte zu lesen. Carsten
Schmidt - Einstein als Mönch Kirsten
Samland - Barbie ist Schwanger Philipp
Bobrowski - Ein kleiner Kobold
Silke Hameister - Streicheleinheiten mit Ole Kurt Scharf
- Im Käfernebel
"Im Käfernebel", sagt das Mädchen, "stirbt ein Stern." Carsten Schmidt
- Einstein als Mönch oder Albert als Abt (aus dem Abc-darium)
Albert aß allabendlich, Matthias
Spehr - Hättich hättich
hätt ich die antenne der fledermaus
hätt ich der schnecke leichtes haus
und hätt ich vom chamäleon
hätt ich des falken adlerblick Kirsten
Samland - Barbie ist Schwanger Papa,
Barbie ist schwanger. Onkel,
Barbie ist schwanger. Opa,
Barbie ist schwanger. Mama,
Barbie ist schwanger. Phillip
Bobrowski - Ein
kleiner Kobold Als
ich vor wenigen Tagen eine Lesung in einem gemütlichen Cafe besuchte, traf ich
neben einigen Bekannten und vielen mehr oder weniger Gleichgesinnten auch auf
eine Art kleinen Kobold. Hoch und aufrecht stand er da, der kleine Mann. Er
war von schlanker Gestalt, die noch schlanker wirkte, da sie auf Arme und Beine,
ja auf sämtliche Gliedmaßen verzichtete. Eine Bewegung war dem seltsamen Wesen
daher nur möglich, indem es entweder auf seinem Rumpf langsam oder auch schnell
von links nach rechts und umgekehrt pendelte - in dieser Bewegung traf ich ihn
an - oder aber ein bis zwei seiner beiden faltigen Gelenke beugte und sich so
nach hinten krümmte. Die Richtung dieser möglichen Verbeugung, die der eitle
Kobold aber tunlichst unterließ, machte es schwer zu entscheiden, ob er sich
eben einfach so weit nach hinten beugen konnte oder ob er einem doch den Rücken
zukehrte, was bedeuten musste, dass sein Gesicht am Hinterkopf angebracht war.
Dieses ausdruckslose Gesicht war kaum als solches zu bezeichnen, denn anders
als die meisten mir bekannten Gesichter verfügte es, platziert auf dem haar-
und halslosen Schädel, weder über Augen noch über Nase oder Mund. Man hätte
behaupten können, die flache Stirn ginge direkt in das Kinn über, wäre ein solches
auszumachen gewesen. Dabei waren diese äußerst schwach ausgeprägten Gesichtszüge
das einzig Harte am Kopf des kleinen Kerls - für den ansonsten durchaus die
Bezeichnung Weichbirne angebracht schien - denn sie wurden von einer Art natürlichem
Helmvisier - freilich ohne Helm - aus durchsichtigem Horn bedeckt. So merkwürdig
sein Äußeres auch erschien, ich war nicht das erste Mal auf einen Vertreter
seiner Spezies getroffen. Es gibt sogar, wie ich aus eigener Erfahrung weiß,
wie ich es mir aber auch schon häufig berichten lassen durfte, recht viele seiner
Art. Natürlich treten sie nur selten in solch unverhüllter Form auf. Und gerade
zu diesem Anlass empfand ich sein offenes Auftreten als äußerst ungewöhnlich
und ebenso unangenehm wie unpassend. Er stieg nämlich unumwunden und sogleich
die Stimme erhebend vor dem versammelten Publikum auf die Lesebühne. Da er nicht
persönlich angekündigt war und sich auch nicht selbst vorstellte, sondern nur
den, in dessen Namen er sprach, fragte ich eine Nachbarin im Publikum, ob sie
den kleinen Frechdachs näher kenne. Sie verriet mir, sein Name laute Digitus
de Monstrare und ich solle nun lieber aufmerksam zuhören, denn von ihm könne
man so einiges lernen. Tatsächlich hing die ehrbare Dame sogleich wieder an
Monstrares nicht vorhandenen Lippen und folgte gebannt seiner Rede und den heftigen
Seitwärtsbewegungen seines pendelnden Rumpfes. Die überaus laute Stimme, die
unmissverständlich von den Zusammenhängen der Welt sprach, begleitet von diesem
hypnotischen Pendeln, hätte vermutlich auch mich schnell in ihren Bann geschlagen,
wäre ich nicht mit ganz anderen Erwartungen gekommen. Die Hoffnung auf den Zauber
der Literatur hatte mich hierher gezogen. Märchen und Geschichten sollten mich
entführen, Gedichten wollte ich lauschen, weinen und lachen, nachdenken und
erfahren wollte ich. Doch was Digitus mir als solches zu verkaufen wünschte,
hatte es dem Redner gleichgetan und sein literarisches Gewand abgelegt, um besserzuwissen
und zu belehren, drohend fast, Moral zu gebieten mit eindringlichen Worten.
Laut war die Stimme. Sie schrie, als wollte sie mit jedem Satz sagen, sie verkünde
Erkenntnisse, die neu und zugleich universal seien, weltverstehend und weltbewegend.
Doch mich vermochte des Kobolds Hexerei nicht zu treffen, denn ich fühlte mich
nur in einer gar nicht neuen Erkenntnis bestätigt. Der kleine Kobold, der mir
zu Diensten ist, soll, bis auf dieses eine Mal, lieber im Verborgenen arbeiten
und sich nicht aller Welt präsentieren. Vor allem nicht in meinen Geschichten
und Gedichten.
Frauke
Kieffer - Ernte "Ich geh dann
mal los."
Silke Hameister - Streicheleinheiten mit "Ole"
Stine stand vor dem Ladentisch. Ein wenig mulmig war ihr schon zumute. Immerhin war sie noch nie zuvor in einem solchen Geschäft gewesen. Johanna
Michallik In
der ersten Klasse hatte ich Mühe, lesen zu lernen. Seitdem ich es endlich
begriffen hatte, bin ich eine Leseratte. Ein Leben ohne Bücher kann ich
mir nicht vorstellen. Uta Glaubitz' Buch "Jobs für Bücherwürmer
und Leseratten" hat mich davon überzeugt, dass man nur die Arbeit
gut machen kann, die man mit Leidenschaft tut. Seit Januar 2004 arbeite ich
als Freie Lektorin in Rostock. Davor habe ich Germanistik, Geschichte und ein
bisschen Latein studiert. Bei dem Versuch, Kindern, Jugendlichen und angehenden
Polizeibeamten beizubringen, was ich selbst gelernt hatte, gingen mir Erich
Kästners Worte nicht mehr aus dem Kopf: "Die älteren Professoren,
die als Beobachter dabeisaßen, merkten nichts von meinem Irrtum und nichts
davon, dass ich ihn endlich begriff und daß mir fast das Herz stehenblieb.
Ich war kein Lehrer, sondern ein Lerner. Ich wollte lernen und nicht lehren.
Ich wollte Lehrer werden, um möglichst lange Schüler bleiben zu können.
Ich wollte Neues, immer wieder Neues aufnehmen und um keinen Preis Altes, immer
wieder Altes weitergeben." Erich Kästner wurde Schriftsteller - ich
bleibe (zunächst?) eine Leserin und wünsche mir viele Manuskripte,
aus denen ich Neues über mich und die Welt lernen kann. Sie
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Ihre Publikationen Links Der JAZZPERANTO-Pianist Die JAZZPERANTO-Autoren Die Jazzbühne Rostock Die andere Bühne für junge Autoren in Rostock Der
Verlag, bei dem ich alles lernte, was ich über das Büchermachen weiß: Die
Frau, die dazu beitrug, dass ich das nötige Selbstbewusstsein und die innere
Stärke in mir fand, freiberuflich zu arbeiten: www.selbstbewusstsein-und-kompetenz.de
Eine schöne Idee: Geschichten mit der Post verschenken
Noch eine schöne Idee: Literatur zum Hören
Für Freunde fantastischer Literatur IGestaltung
und Umsetzung dieser Homepage durch: Stand:
27.06.2006
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"Wir können uns", sage ich, "darum nicht kümmern, hier im Hafenbereich sind genügend Ruinen, denen zu dienen …"
"Ich", unterbricht mich das Mädchen, "habe die Schlüssel …"
"Wer", sage ich, "sollte sie verwalten, die knasterbartalten verlassenen Häuser …"
"Ab heute du", entgegnet das Mädchen, schon unterwegs zum sterbenden Stern.
Am Abend rede ich zu den ausgehängten Türen, vertraue mich der schiefen Regenrinne an, flüstre mit den müden Fenstern. "Wisst ihr …", sage ich.
"… dass du das Mädchen liebst", sagen die Steine.
artig als auch ausgiebig, Abendbrot,
also auch an Allerheiligen,
aber aus angegebenem Anlass
anstatt Allerweltsessen argentinischen Aal,
als ausgerechtet Aushilfsmönch August,
augenscheinlich angetrunken,
auftauchte, Albert ansteuernd:
"Anruf! Adele am Apparat, Albert!"
Austauschnonne Adele aus Augsburg.
"Aha", antwortete Abt Albert, allerdings absolut ahnungslos.
"Angenehmen Abend, Adele, alles andächtig?" -
Adele aber aufgeregt:
"Alles absolut anders, Albert!
Alles ausgeartet, alles Affairenhafte aufgeflogen!" -
"Auweia" antwortete Albert außergewöhnlich angstvoll.
Alberts Aufenthaltsbehörde aus Augsburg
ahndete absolut alle auch anfänglichen Affärenversuche
an Austauschnonnen als antiklerikalen Angriff
auf alles Allerheiligste,
also als abscheuliche Atheistensünde.
Anstatt ausgesöhnt, also aber auch alles ausgeschlossen,
auch Albert aus allen Abteien Augsburgs.
Adeles abschließende Aussage am Abteiapparat:
"Alles aus, Albert; ade Affäre, ade Albert!"
Albert abstrus als auch aufgeregt am anderen Apparat:
"Aber anbetungswürdige Adele,
abends am Ausblick, abgemacht?
Adele? - Ach, aufgelegt!"
(adlerflug wäre mein krebsgang hätt ich die schwingen des pinguins)
frühmorgens um halb drei
ich käm im dunkel heil durchs haus
und bräche nichts entzwei
und ihren feinen schleim
ich glitte in die welt hinaus
wär überall daheim
hätt ich die kraft vom zitteraal
mit widerstand in ohm
hielt ich die spannung hier im saal
wär ständig unter strom
das wandelungsgeschick
ich ging in die koalition
und machte politik
hätt ich die schnalle vom gürteltier
vom pinguin den frack
den leichten gang vom trampeltier
den charme von donald duck
und der gazelle lauf
ich wär humaner noch ein stück
und tierisch besser drauf
Wer war das? Den zeig ich an, den Kinderschänder!
Wieso denn? Barbie ist doch schon über 40.
Na, dann wird's ja auch Zeit.
Warum?
Wer nimmt denn noch so ´ne alte Schachtel?!
Aber Mama ist doch genauso alt!
Das ist doch was anderes!
Warum?
Darum. Frag' nicht so dumm!
Aha. Geht die in deine Klasse?
Nee - die hab ich doch zu Hause.
Was sagt denn dein Vater dazu?
Daß es auch Zeit wird, wo sie doch schon so alt ist.
Na, der muß es ja wissen, ha ha!
Warum?
Darum. Frag' nicht so dumm!
Ja ja, die Jugend von heute ...
Aber Barbie ist schon über 40. Papa sagt, dann wirds auch Zeit.
Hat die denn einen Mann?
Ja, klar! Das ist Ken, Cabrio-Ken.
Und? Lebt der in geordneten Verhältnissen?
Oh ja, ganz ordentlich. ICH sorge für die beiden.
Das geht nicht! Was sind das für Zustände?!
Wieso geht das nicht? Ich gebe mir doch große Mühe ...
Die Familie zu ernähren ist Männersache!
Warum?
Darum. Frag' nicht so dumm!
Auch das noch!! Welcher Monat?
Weiß ich nicht.
Zeig mal her. Aha, zu spät für ...
Für was?
Nichts. Das wird bestimmt ein Junge; bei dem Bauch.
Ist das gut oder schlecht?
Jungs sind immer gut.
Warum?
...
Herbert zwängte sich in die alte blaue Jacke, setzte die Mütze auf,
ohne die er nie einen Schritt aus dem Haus tat, holte die Sense aus dem Schuppen
und machte sich auf den Weg. Seit Jahren schon hatte Klaus die Arbeit auf
den Feldern übernommen. Herbert sah ja auch ein, mit einem Mähdrescher
ging alles schön schnell und war auch nicht mehr so schwer und überhaupt,
ja, das war schon in Ordnung. Aber hier, so rund um den Hof, am Feldrand,
da musste er noch ran. Mit der Hand. Mit der Sense. Und wenn Emmi ihre Serie
da guckte, verzog er sich sowieso lieber.
Herbert schlenderte los, blieb dann stehen, stützte sich auf die Sense,
guckte noch ein wenig zum Wald hinüber, doch dann ging es los mit der
Arbeit. Mit Schwung kam Herbert gut voran. Es war ganz still, nur das Pfeifen
der Sense durch die Luft und das Brechen der Halme waren zu hören.
Da, plötzlich, ein Knacken!
Herbert, eben noch in Gedanken über einen Kaninchenkauf, fuhr herum,
die Sense, fest in der Hand, genau in der Höhe des Knackgeräuschverursacherhalses,
nicht mehr bremsen könnend.
Der Kopf flog meterweit, drehte sich wie ein Brummkreisel ohne Brummen mehrmals
um sich selbst, als wolle er sich noch ein letztes Mal so richtig umgucken
und plumpste dann ins Feld. Der Rest des Körpers lag vor Herbert.
Der stand wie gelähmt. Seine Augen wurden immer größer, die
Kinnlade fiel schließlich herunter, mühsam versuchte er zu schlucken.
Er wischte sich mit dem Jackenärmel den Schweiß von der Stirn,
atmete angestrengt und versuchte, sich zu beruhigen. Er war ein Mörder!
Aber es war ein Versehen! Oder Notwehr ja auch irgendwie. Dieses Geräusch!
Nur ? was jetzt? Was tun, verdammt noch mal? Er musste Klaus holen! Herbert
wetzte los.
Nach ein paar Minuten war er auf dem Weg zurück zum Tatort, hastig tippelnd,
Klaus mit weit ausholenden Schritten hinterher.
"Oh Vadder, das is 'n Schnitt! Besser konnten die das bei den Franzosen
auch nicht!"
"Ja, ja, aber was machen wir mit dem? Von hier ist das keiner. Und den
Kopf müssen wir auch noch finden. Irgendwo da", Herbert ruderte
mit den Armen, "ist er runter gekommen."
"Ja, nu warte mal. Wir müssen auf jeden Fall die Polizei informieren."
"Das machst du nicht! Du weißt genau, wer da kommt! Der Dieter
hat mich sowieso unter Wind wegen der Sache mit dem Trecker! Den holst du
nicht! Ich mäh dich auch um! So ein Mist! Was wollte der Kerl auch hier?
Wie der schon aussieht, dieser Rest da! Tätowiert! Ich will hier keine
Polizei'! Ich will nicht eingesperrt werden! Der war auf meinem Grund und
Boden!" Herbert jammerte und tobte und hopste, soweit ihm das möglich
war, wie Rumpelstilzchen von einem Bein aufs andere.
"Nu bleib doch mal ruhig! Vorher überlegen wir genau, was los war."
"Das hab ich dir doch gesagt!" quiekte Herbert. "Bist du taub?
Der war hinter m..."
"Vadder, als du an diesem schönen ruhigen Abend hier ankamst, da
lag der schon da." "Ach?"
"Ja, er lag da. Von Hals bis Fuß. Kein Kopf weit und breit. Und
du, als ehrenwerter Bürger, hast natürlich sofort den Dieter angerufen."
"Aber die Sense! Die sind doch so gerissen, die sehen doch die Fingerabdrücke!
Und da kannst du wischen, wie du willst, von dem Holz kriegst du das nicht
runter!"
Herbert hatte nicht umsonst zahlreiche Krimis im Fernsehen angesehen. "Es
war keine Sense da." "Ach nein, und wie, glaubst du wohl, ging der
Kopp ab? Fiel so runter oder was?"
"Das kann dir doch egal sein. Du kamst hier an. Da lag einer. Kopf ab.
Wiederbelebung unmöglich. Kein Tatwerkzeug. Du hattest einen Schock und
bist gleich losgelaufen, um Dieter zu rufen."
"Ja. ? Aber die Sense. Und was wollte ich hier überhaupt?"
"Du wolltest hier sensen. Und zwar mit deiner Sense. Das machst du doch
jeden Abend, wenn Mudder den Schwachsinn da guckt. Deswegen lässt du
das Ding immer da liegen, wo du gerade Schluss machst den Abend. Das wäre
doch Blödsinn, das Ding immer hin und her zu schleppen. Oder was? Und
jetzt ist sie weg."
"Die ist hier. Die liegt doch hier."
"Nicht mehr, wenn Dieter kommt. Wir schmeißen sie in den alten
Brunnen, von dem weiß keiner. Das erkennt keiner, dass da überhaupt
einer ist."
"Wollen wir den hier nicht auch gleich hinterher schmeißen?"
fragte Herbert kläglich.
"Nee, lieber nich. Der blutet doch, und dieser ganze Schweinkram, wenn
wir den da hin schaffen... nee, lass das man den Dieter alles machen. Ab jetzt
mit der Sense in den Brunnen, und dann rufst du ihn an!"Die Sense war
im Brunnen versenkt, beide Männer marschierten auf dem Weg zum Haus,
als sie zurückprallten ? an der Straße stand ein Polizeiwagen.
"Klaus!" kreischte flüsternd Herbert. "Was mach ich jetzt?
Die sind schon da! Die wollen mich abholen! Und das ist nicht Dieter! Das
sind Fremde! Fremde Kommissare!"
Klaus legte seinen Vater die Hände auf die Schultern und gab nach diesem
neuesten Stand der Dinge aktuelle Instruktionen: "Genauso musst du das
machen. Du hast gerade den Mann ohne Kopp gefunden, bist in Panik, willst
zum Telefon, nachdem du mich informiert hast, da kommen die dir gerade recht,
denn zum Glück steht der Kommissar vor der Tür, gerade, wenn man
ihn braucht. Wie im Film!"
Herbert brauchte jetzt aber eigentlich keine großen Regieanweisungen,
wichtig war nur, dass er textsicher war.
"Herr Komm... Kommissar! Er steuerte auf einen der beiden zu. "Was
für ein Glück, dass Sie gerade jetzt hier an meinem Gehöft
vorbei kommen! Wir haben hier draußen einen Toten ohne Kopf! Gerade
wollte ich telefonieren, und da stehen Sie schon hier vor mir!"Herbert
stolperte, mit dem Finger den Weg voraus zeigend, vorneweg, der Kommissar
samt Kollegen beeilte sich zu folgen, und als letzter stapfte Klaus hinterher.
"Bitte. Da liegt er. Kopf ab!"
Der Kommissar ? nebenbei gesagt, der Polizeibeamte im Streifendienst Wachtmeister
Matthies ? hatte in seinem Berufsleben schon einiges gesehen und brauchte
nur ein paar Mal tief durchzuatmen. Sein Kollege allerdings übergab sich
sofort und zwar gleich mehrmals.
Herbert gab seine eindrucksvolle Schilderung zum Besten, die nur gelegentlich
holperte, nämlich dann, wenn er versucht war, von der Sense zu sprechen.
Der "Kommissar" hörte zu, nickte hin und wieder und gab ein
"Hmm" von sich. Er forderte über Handy Verstärkung zur
Spurensicherung an, machte sich aber mit seinem Kollegen, der langsam wieder
ansprechbar war, auf die Suche nach dem Kopf.
"Na, was sagst du? Damit dürfte unsere Suche wohl beendet sein."
"Seh ich genauso. Das ist eindeutig Paul Stöver."
"Hallo, Herr... äh..." "Hollerbock, Herbert Hollerbock."
"Da haben Sie aber eine interessante Sorte Getreide vor der Tür.
Das ist der ausgebrochene Strafgefangene, wegen Mordes inhaftiert, der seit
heute Mittag gesucht wird. Er hat einem Wärter die Pistole abgenommen
und ist geflohen."
Das Geräusch! Es war das Laden einer Pistole gewesen! Dann musste die
hier auch noch irgendwo sein!
"Ein Mörder! Auf meinem Feld! Ich habe einen Mörder erwi...
erfunden, gefunden! Nein!" "Ja, ja, aber jemand muss auch ihn ermordet
haben."
"Ja, da sagen Sie was. Da muss ja hier einer mit der Sen... einer scharfen,
einem scharfen... tja... also... etwas scharfem herumlaufen, was, Herr Kommissar?"
"Hm, Sense. Haben Sie eine?"
"Nein. ? Die war hier, ist jetzt aber weg. Ich wollte ja... äh...
sensen. Aber der Tote war da, und die Sense war weg. Nicht, Klaus?"
Klaus wählte seine Worte jetzt sehr sorgfältig. "Herr Kommissar,
Sie sagen, das war ein Mörder, noch dazu ein ausgebrochener. Wenn den
jetzt jemand, aus Versehen, so was gibt's ja, auslöscht ? ist das dann
sehr strafbar?"
Der "Kommissar" schaute prüfend von einem zum anderen, dachte
an den furchtbaren Mord, den der jetzt Enthauptete begangen hatte, sah den
nervösen Herbert aufmunternd an und sagte:" Sagen wir mal so: Wenn
jemand, zum Beispiel in Notwehr, hier zum Sensenmann geworden ist, glaube
ich kaum, dass ihn der Richter verurteilen wird."
Herbert, der sich inzwischen ein ganz klein wenig als ein Held fühlte,
atmete erleichtert auf und raunte Klaus zu: "Denn sieh mal zu, dass du
die Sense wieder aus dem Brunnen kriegst! Ich kauf mir wegen dem doch keine
neue!""Ein Quatsch ist das manchmal ? mit der Sense den Kopf ab
? und denn auch noch den von einem Mörder ? meine Güte!"
Emmi zappte auf "Kein schöner Land".
"Ein wirklich erstklassiges Modell haben Sie sich da ausgesucht", meinte die Verkäuferin anerkennend, "das habe ich auch."
Stine starrte sie ungläubig an. Ob das ihr Standardsatz war, egal was jemand kaufte? Das blutjunge Ding sah nicht aus, als wenn sie es nötig hätte. Ehrlich gesagt tat Stine das auch nicht. Ihr Problem war lediglich, dass ihr Mann als Pharmazievertreter viel zu oft unterwegs war. Manchmal kam er nur alle 14 Tage nach Hause. Da musste sie sich eben etwas einfallen lassen.
Es immer nur selbst zu tun, war auf Dauer gesehen nicht wirklich befriedigend. Wie sollte sie sich auch entspannen und genießen, wenn sie sich gleichzeitig verrenken musste, um richtig anzukommen?
"Das ist das Modell Ole", hatte die Verkäuferin gesagt, "Das liegt gut in der Hand!"
Warum die den Dingern Namen gaben, war Stine unklar. Vielleicht, damit man sie im Ernstfalle anzusprechen weiß, hatte sie gemutmaßt. Aber die Verkäuferin wusste es besser: "Es ist so", hatte sie ihr anvertraut, "dass man mit der Zeit eine Art Beziehung zu ihnen auf baut!"
Nun, dann war "Ole" eben jetzt Stines neue Beziehung. Der einzige Ole, den sie bisher kannte, war Björn-Ole Peddingdal. Sie war einmal glatte drei Monate mit ihm leiert gewesen.
Stine schaute auf den Stab.
Er war weiß, lang und mit einem Knick im vorderen Schaft-Drittel. - Nun, es wäre nicht ganz abwegig, dass Björn-Ole hierfür Modell gestanden haben könnte. Eine gewisse Grundähnlichkeit war nicht von der Hand zu weisen. Vielleicht hatte Stine unbewusst, der alten Erinnerungen wegen, automatisch zu "Ole" gegriffen. Genauso gut hätte sie auch das Modell "Abadi" von Mombasa-Plastics nehmen können. Der hatte recht viele Spezialfunktionen und war in Länge und Breite variabel ausfahrbar. Aber nach reiflicher Überlegung hatte sie ihn doch wieder zurückgelegt. Als Frau musste man praktisch denken. Immerhin kannte Stine sich selbst und wusste, wie gern und vor allem wie schnell sie danach einschlafen würde. Wenn sie erst am nächsten Morgen das Gerät reinigte, könnte das vergleichsweise lange dauern. Bei schwarzen sah man die Flecken einfach viel zu deutlich. Damit hatte sie Erfahrung! Im Endeffekt kam es auf die Farbe auch gar nicht an, sondern auf die Wirkung!
Stine zog mit "Ole" im Karton ins Schlafzimmer und drehte die Heizung voll auf. Schön warm sollte es sein, wenn sie ihn zum ersten Testlauf einsetzen würde.
Eigentlich war Stine es gewohnt, dazu in die Badewanne zu gehen. Das heiße Wasser war zusätzlich entspannend und ihre Finger glitten fast von allein dorthin, wo sie sie hinhaben wollte, aber die Verkäuferin hatte eindringlich gewarnt, dass dieses Modell nicht für Tauchgänge geeignet wäre. - Wie denn auch? Dann hätte es nicht "Ole", sondern eher "Neptun" geheißen.
Apropos Neptun - "Ole" hatte zwar keinen Dreizack, aber dafür fünf verschiedene Kopfaufsätze inklusive.
Je nach Bedürfnis konnte man zwischen Noppen-, Vakuum-, Dual-, Bürsten- und Punktaufsatz wählen. Stine zog das Tütchen aus der Packung: "Safety first!"
Ja, das war richtig!
Sie hatte sich schon ausgezogen, beschloss aber, doch besser erst die Bedienungsanleitung zu lesen:
"Sehr geehrte Damen und Herren", stand dort, "Wir möchten, dass Sie Ihren neuen Freund "Ole" so schnell wie möglich kennen lernen.
Schalten Sie das Gerät mit den vier Positionsschaltern auf die gewünschten Funktionen:
1.)Vibration und Wärme, 2.) Vibration mit Spezialaufsatz, 3.) nur Wärme, 4.)Kopfrotation.
ACHTUNG!
Zur Vermeidung von Erstickungsgefahr sollten Sie "Ole" keinesfalls in den Mund einführen!
Bitte beachten Sie:
Das Gerät ist nicht für den Dauereinsatz konzipiert. Damit Sie recht lange Spaß mit ihrem "Ole" haben, sollten Sie ihn niemals mehr als 20 Minuten beanspruchen!
Wir wünschen viel Vergnügen!"
Stine legte den Zettel beiseite, griff in den Karton und zog "Ole" heraus.
Mit den 20 Minuten würde sie schon klar kommen, wenn er nur nicht mittendrin stecken blieb.
Sie wog den Stab in der Hand. "Ole" hatte gut und gern seine 500 Gramm. Das sollte man nicht unterschätzen. Nicht, dass am Ende ein Muskelkater das Einzige wäre, was sie von ihm bekäme.
Die Verkäuferin sagte: "Man wird regelrecht süchtig nach diesen Dingern!" Sie selbst würde den Stab sogar ihrem Freund vorziehen. Speziell der punktuelle Aufsatz sei wärmstens zu empfehlen. Er führe sehr rasch zu dem erhofften Erfolg, sofern man über anatomische Kenntnisse verfüge.
Stines Mann hatte diese auch, aber der war ja nie zu Hause. Sie würde sich einfach langsam vortasten müssen, um die richtige Stelle zu finden.
Es war gut, dass "Ole" so lang war. Da hatte jemand mitgedacht. Sicherlich hätte es ein Kürzerer auch getan, aber so brauchte sie sich nicht zu verrenken, konnte sich zurücklegen, genießen und "Ole" machen lassen.
Stine legte sich aufs Bett und betätigte den EIN-Schalter am Schaftende.
"Ole" begann sofort tief zu brummen.
Sie hatte sich für die Funktion "Vibration und Wärme" entschieden. "Oles" Kopf bekam eine angenehme Temperatur und leuchtete im Dunkeln.
Wie sanft er über die Haut glitt. Die Vibrationen allein ließen eine ganze Gänsearmee über ihren Körper schreiten. Dabei war sie noch gar nicht richtig angefangen.
Ja, "Ole" war wirklich purer Luxus!
Stine musste ihn nachher gut verstecken, damit ihr Mann ihn nicht entdeckte.
Er käme sich sicherlich überflüssig vor, wenn er merkte, dass "Ole" jetzt das tat, was er sonst machte, wenn er da war. Vielleicht würde er auch wütend werden, weil sie ihm nichts gesagt hatte.
Stine konnte ihn ja verstehen.
Er, als Pharmazievertreter, hatte ihr schon zu Weihnachten hoch und heilig versprochen, dass er es ihr besorgen würde -
das Hand-Massagegerät gegen ihre verspannte Nackenmuskulatur.
Ich lese Ihren Text Korrektur und überarbeite eventuelle stilistische oder
inhaltliche Schwächen.
Gern helfe ich auch bei der Suche nach einem Verlag, der sich für Ihr Manuskript
interessieren könnte.![]()
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